neuroraum-DozentInnen im Interview

Lic. phil. Andrea Rufer, Psychotherapeutische Praxis Rufer, CH-Windisch

Wie sind Sie bei neuroraum gelandet?

    Ich kannte neuroraum von einer hervorragenden Fortbildung zu Exekutivfunktionen in Zürich, die ich als auf ADHS spezialisierte Psychotherapeutin besuchte, um mein neuropsychologisches Wissen zu erweitern. Als ich über LinkedIn einige Zeit später angefragt wurde für eine Fortbildung zum Thema Angehörige, sagte ich natürlich sofort gerne zu.

    Was hat Ihr Interesse an der Angehörigenarbeit geweckt und warum spielt sie aus Ihrer Sicht eine so zentrale Rolle in der Begleitung von Patient:innen mit neurologischen Erkrankungen?

    Im Studium vor 25 Jahren vermisste ich neben Psychoanalyse und KVT den systemischen Blick in der klinischen Psychologie. Ich habe schon immer in Netzwerken und Beziehungen gedacht, das scheint in meiner Natur zu liegen. Weil ich dafür kein Forschungsfeld am Lehrstuhl fand, bin ich für meine Masterarbeit in den Bereich der Sozialpsychiatrie ausgewichen und habe für meine Masterarbeit zum Thema Einstellungen von Angehörigen schizophrener Menschen 40 lange Interviews mit Angehörigen geführt. Seither hat mich die Thematik nicht mehr losgelassen. Später habe ich am Aufbau der Fachstelle für Angehörige psychisch kranker Menschen im Kanton Aargau und am Aufbau des schweizweit ersten Angebots speziell für Kinder psychisch kranker Eltern mitgewirkt und war einige Jahre Beirätin im Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie. Ich supervidiere Angehörigenberater:innen und involviere als systemisch ausgerichtete Psychotherapeutin auch in Einzeltherapien nach Möglichkeit Bezugspersonen von Patient:innen.

    Angehörige als wichtige Stütze und Ressource sind oft selbst stark belastet und fühlen sich wenig gehört, verstanden und unterstützt. Gerade neurologische Erkrankungen sind für das Umfeld oft schwer einfühlbar, der Informationsbedarf ist entsprechend groß. Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens wie Impulsivität oder Agitiertheit, Kommunikationsprobleme, kognitive, aber auch körperliche Einschränkungen reduzieren die Selbstständigkeit der Betroffenen und fordern Angehörige stark.

    Ihr Berufsalltag ist sicher fordernd: Was hilft Ihnen persönlich abzuschalten und neue Energie zu tanken?

    Meine Arbeit als Psychotherapeutin, Paartherapeutin, Supervisorin und Leiterin von Workshops in kreativem und therapeutischem Schreiben ist sehr vielseitig. Ich mag die Abwechslung und fühle mich von den Begegnungen und den Geschichten, die Menschen mit mir teilen, meist eher beschenkt als belastet. Als persönliche Psychohygiene schreibe ich und versuche in der Freizeit meinem Hirn möglichst viel Ausgleich zu gönnen. Ich verbringe gerne Zeit in der Küche, lasse mich von meinen schurrenden Katzen zur Langsamkeit ermahnen und verbringe viel Zeit mit unseren Ponys. Wenn ich mit ihnen durch die Wälder streife, führe ich auch mein Hirn spazieren. Es entspannt sich wunderbar dabei und es entstehen neue Ideen.

    Interview: Miriam Schönfeld