Birgit, woher kennst Du neuroraum und wie bist Du als Dozentin dort angekommen?
Ich kenne neuroraum aus meiner eigenen Weiterbildungszeit zur Klinischen Neuropsychologin (GNP) und habe dort viele spannende Fortbildungen absolviert. Bevor ich Psychologie studiert habe, war ich als Kommunikationsdesignerin tätig – mit großer Leidenschaft dafür, Inhalte so aufzubereiten, dass sie Menschen wirklich erreichen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass mein Seminarentwurf zur Verbindung von Neuropsychologie und Systemischer Therapie – ein echtes Herzensthema von mir – angenommen wurde. Vor rund zwei Jahren habe ich ihn eingereicht, seitdem halte ich das Seminar „Spürbar – Neuropsychologie aus systemischer Perspektive“. Der Titel ist Programm: Wir probieren viel aus und verlassen bewusst die gewohnte verbale Ebene.
Deine Spezialität ist, dass Du als Neuropsychologin eine systemische Ausbildung hast – wo sind denn da die Schnittstellen?
Als systemische Therapeutin (DGSF) sehe ich den Menschen stets im Zusammenhang mit seinen Beziehungen und Lebenswelten. In der Neuropsychologie zeigt sich das besonders deutlich: Nach einem Hirnschaden ist nie nur die betroffene Person selbst betroffen, sondern auch ihr gesamtes Umfeld – privat wie beruflich. Darum ist es mir wichtig, dieses Lebensumfeld möglichst in den therapeutischen Prozess einzubeziehen. Mein Ziel ist es, Menschen dabei zu begleiten, ihr neues, angepasstes – und vor allem individuelles – Lebens-System zu gestalten. Dabei geht es nicht immer nur um Menschen: Auch die Wohnung oder das Auto gehören zum individuellen System – und dieses System steht nach einem Hirnschaden häufig vor Veränderungen. Manchmal kommt auch unerwartet etwas Neues hinzu: Bei einer Patientin mit Hemiparese ist kürzlich ein Hund eingezogen, der ganz offensichtlich zur Entspannung beiträgt und viel Lebensfreude mitbringt.
Systemische Therapie lebt zudem nicht nur vom Gespräch: Über Malen, Bewegung oder Arbeiten mit Symbolen (Externalisierung) können Betroffene unmittelbar ins Tun kommen und neue Alltagsschritte erproben. Dieser praktische Zugang erleichtert den Transfer – und schenkt in einer krisenbehafteten Lebensphase oft auch Leichtigkeit und Lachen. Genau diese Mischung aus Ernst und Humor findet sich übrigens auch in meinen Seminaren wieder.
Du kommst aus dem Süden Bayerns, wo und wie erholst Du Dich denn nach getaner Arbeit?
Meinen früheren Beruf als Designerin habe ich inzwischen zum Hobby gemacht – ich male und zeichne viel (und überall). Außerdem bin ich gerne mit Familie und Freunden in der Natur unterwegs und entdecke neue Städte. Gute Restaurants ziehen mich dabei magisch an. Neben den bayerischen Bergen und Seen zieht es mich aber auch oft in den Norden – ich liebe die Ostsee und die Landschaft auf dem Weg dorthin. Ein bayerisches Klischee erfülle ich allerdings doch: Abends spiele ich gerne Zither – nicht gerade virtuos, aber voller Hingabe.
Interviewerin: Ulrike Mader

